Zeitungsgeschichten 

 

 

Mehr Reichweite und eine bessere Infrastruktur: 400 Schnellladesäulen an den Autobahnen

Große Chancen für 2017

Durchbruch für die Elektromobilität in Deutschland: Das war bisher mehr Hoffnung als Realität. Doch das Jahr 2017 könnte die entscheidenden Impulse bringen. Möglich machen das zwei Autofirmen und der Bundesverkehrsminister. Erstmals stoßen sie mit ihren Konzepten tatsächlich in den Bereich der Alltagstauglichkeit vor.  

Interesse an Kaufprämie für Elektroautos immer noch sehr gering.“ So lauteten die  Nachrichten Anfang 2017. Denn ein halbes Jahr  nach dem Start der 4000-Euro-Förderprämie für E-Fahrzeuge wurden erst 9023 Anträge gestellt. Dies teilte das dafür zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle am 2. Januar 2017 mit. Davon waren rund 5100 Anträge für reine Elektroautos. Knapp 3900 Anträge entfielen auf Plug-in-Hybride, also auf Autos, die an einer Steckdose aufgeladen werden können, die aber nur kurze Strecken von wenigen Kilometern tatsächlich elektrisch angetrieben werden. Danach springt der Verbrennungsmotor an.
 
Autos der nächsten Generation

Das bislang geringe Interesse an dem Umweltbonus hat im Wesentlichen zwei Gründe. Erstens gab es bislang zu wenige erschwingliche Elektroautos mit größerer Reichweite. Zweitens ist die Infrastruktur zum schnellen Aufladen der Autos in Deutschland noch unzureichend. Beides soll sich kurzfristig ändern. Mit dem Opel Ampera-e und dem neuen Renault Zoe kommen im Frühjahr zwei Fahrzeuge auf den Markt, die endlich einige Hundert Kilometer mit einer Batterieladung schaffen. Der Kompaktwagen von Opel soll rund 35000 Euro kosten und eine realistische Reichweite von rund 400 Kilometern haben. Der Kleinwagen Zoe schafft rund 300 Kilometer und ist in der Basisversion für knapp unter 20000 Euro zu haben. Beides sind Fünfsitzer mit ordentlich großem Kofferraum. Weitere Modelle deutscher und ausländischer Hersteller folgen in den nächsten Jahren. Mitte des Jahres 2017 wohl schon der neue E-Golf von VW.

Offensive des Verkehrsministers

Diese Fahrzeuge sind voll alltagstauglich. Für weitere Strecken, beispielsweise Fahrten in den Urlaub, müssen allerdings auch die Elektroautos der neuen Generation immer mal wieder aufgeladen werden. Über 7000 öffentliche Ladepunkte mit meist 22 kw gibt es in Deutschland bereits. Damit der Ladevorgang aber in einer oder gar einer halben Stunde erledigt werden kann, sind Schnellladestationen mit mindestens 50 Kilowatt nötig. Davon stehen in Deutschland erst 200. In NRW sind es 40, davon je eine in Hamm und Münster, drei in Dortmund. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat aber angekündigt, dass noch 2017 rund 400 Schnellladesäulen an den Autobahnen aufgestellt werden. Sie sollen aussehen wie die Station auf dem Rasthof Rhynern Nord an der A 2 bei Hamm. Es ist die erste und bisher einzige dieser Art im Ruhrgebiet. Ich bat das Verkehrsministerium um konkrete Daten zu diesem Plan. Aus der Antwort ergeben sich folgende Informationen:
 
Moderne Anlagen für alle Typen
 
Ist das Ziel von 400 Schnellladestationen an den Bundesautobahnen bis Ende des Jahres realistisch?
An dem Ziel, bis Ende 2017 alle rund 400 von der Autobahn Tank & Rast GmbH betriebenen Rastanlagen mit modernen und typenunabhängigen Schnellladesäulen auszurüsten, wird festgehalten.
 
Möglichst an jeder Raststätte
 
Wo werden die Stationen aufgestellt, wo stehen sie schon? Gibt es eine Liste und eine Reihenfolge?
Für das dichte Netz von Schnellladesäulen auf Bundesautobahnen sollen alle rund 430 bewirtschafteten Rastanlagen damit ausgestattet werden. Eine Übersicht zu den bereits bestehenden Schnellladesäulen gibt es auf der Homepage von Tank & Rast. Der weitere Ausbau erfolgt entlang von Korridoren mit dem höchsten Ladebedarf. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hat auch allen weiteren Konzessionsinhabern von Autobahnraststätten Unterstützung beim Aufbau von Ladestationen auf den Bundesautobahnen angeboten. Die Gespräche hierzu laufen.
 
Beispiel an der A2 bei Hamm
 
Wie werden die Stationen ausgestattet? Werden alle so aussehen, wie die bereits funktionierende an der A2 in Hamm?
Technisch entsprechen die Schnellladesäulen, die Tank & Rast zurzeit errichtet, der Anlage in  Hamm. Dabei handelt es sich um sogenannte Multi-Charger, die über drei Ladeabgänge verfügen, zweimal DC (Gleichstrom) mit 50 Kilowatt  (CHAdeMO- und CCS-Stecker) und einmal AC (Wechselstrom) mit 42 Kilowatt (Typ2-Stecker). Damit befinden sie sich auf dem aktuellen Stand der Technik. Alle Elektrofahrzeuge können geladen werden. Ermöglicht wird damit eine durchschnittliche Ladedauer von 20 bis 30 Minuten. Die genaue Ladezeit ist vom jeweiligen Fahrzeugtyp, dem Zustand der Batterie und der Außentemperatur abhängig. Für eine Weiterentwicklung der Ladetechnologie für Elektrofahrzeuge wird vorgesorgt. 
 
Mehrere Autos gleichzeitig
 
Können mehrere Autos an einer Schnellladestation gleichzeitig laden?
Ja, an den von Tank & Rast errichteten Schnellladesäulen können Fahrzeuge gleichzeitig am Wechselstromanschluss und an einem der Gleichstromanschlüsse laden.
 
Langfristig 5000 Schnelllader
 
Wie soll es danach mit dem Ausbau weitergehen? 
Die 400 Schnellladestationen sind nur der Anfang. Für sie werden rund zwölf Millionen Euro investiert. Das langfristige Ziel sind 5.000 solcher Stationen in allen Metropolen und entlang der Bundesfernstraßen. Dafür stellt das Förderprogramm Ladeinfrastruktur Elektromobilität des BMVI 200 Millionen Euro zur Verfügung. Weitere 100 Millionen gibt es für den Ausbau öffentlich zugänglicher Normalladeinfrastruktur mit rund 10.000 Ladestationen. Mögliche Standorte von Ladesäulen sind Tankstellen und Autohöfe an Hauptverkehrsachsen, Shopping- und Einkaufszentren, Sportzentren, Carsharing-Stationen sowie Bahnhöfe, Flughäfen und Messezentren. Unterstützt werden sowohl private Investoren als auch Städte und Gemeinden.
 
 
 
 
Der Kleinwagen Renault Zoe (88 PS) schafft realistisch rund 300 Kilometer mit einer Batterieladung.                                            Foto: Münch
 
 

Strom für 800 km Reichweite in einer Minute laden. Dahin geht eine neue Entwicklung. Mehr dazu auf dieser Seite: 

Festkörperakkus


Derzeit planen BMW, Daimler, Ford und VW gemeinsam ein Schnellladenetz mit zunächst 400 Elektrotankstellen. Bis 2020 sollen in Deutschland Tausende von Schnellladestationen geschaffen werden. Geladen werden soll mit bis zu 350 kw. Die Ladepunkte sollen auch Elektroautos von anderen Herstellern zur Verfügung stehen. Mehr dazu in diesem Artikel

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So wie diese Station an der A2 auf dem Rasthof Rhynern Nord in Hamm sehen alle 400 Schnellladesäulen aus, die in diesem Jahr an den deutschen Autobahnen errichtet werden. Sie sind zunächst für jedermann kostenlos          .Foto: Münch

innogy geht voran

Das in Deutschland und Europa modernste, größte und am schnellsten wachsende Ladenetz für Elektroautos mit mehr als 5400 Ladepunkten und weit über 100 Partnern betreibt innogy. Auch das Schnellladenetz von Tank & Rast an den deutschen Autobahnen wird in Kooperation mit innogy errichtet. Beim Klick auf das folgende Bild geht es zur innogy-Seite mit vielen Informationen zur Elektromobilität und einem Ladesäulen-Finder samt Karte:

Die Ladesäule von innogy in Drensteinfurt.   Foto: Münch

Jetzt begrüßte innogy den 130. Stadtwerkepartner in einer der schönsten Regionen Deutschlands: am Bodensee. Mehr dazu beim Klick auf das Bild: 

Elke Temme, Leiterin Elektromobilität bei innogy, freut sich über den 130. Stadtwerkepartner.           Foto: innogy

 

Die bislang einzige Schnellladestation im Münsterland steht am VW-Autohaus Knubel an der Weseler Straße in Münster und ist für jedermann rund um die Uhr kostenlos nutzbar. Geladen werden kann mit 50 kw-Gleichstrom nach dem CCS-Standard (Bild unten rechts), aber auch mit dem Typ 2-Stecker und  22 kw-Wechselstrom (unten links).  Foto: Münch

 

Der Opel Ampera-e kommt für rund 35.000 Euro auf den Markt. Der sportliche Kompaktwagen (204 PS) hat eine realistische Reichweite von rund 400 Kilometern und beschleunigt in 7 Sekunden von null auf 100.      Foto: Münch

 
Die Lithium-Ionen-Batterie des Ampera-e  ist im Unterboden verbaut. Sie kann an allen Schnellladestationen mit Gleichstrom nach dem CCS-Standard, aber auch an allen herkömmlichen Säulen oder an der Haushaltssteckdose mit Wechselstrom aufgeladen werden                          Foto: Münch
 
 
 
 
 

Standorte und Kosten: Einige Informationen zum Vergleich

  • Derzeit existieren in Deutschland rund 14.500 Tankstellen für Autos mit Verbrennungsmotor. Den Höchststand gab es im Jahr 1970 mit rund 46.000 Tankstellen. Seitdem fällt die Zahl kontinuierlich. Dagegen stieg die Zahl der öffentlichen Ladepunkte für Elektroautos auf mittlerweile über 7000 an rund 3000 Stationen. Täglich werden es mehr. 
  • Eine Schnellladestation für Elektroautos kostet rund 30.000 Euro. Dagegen kostete die eine kürzlich in Münster eröffnete Wasserstoff-Tankstelle über drei Millionen Euro.
  • In Hamm und in Münster gibt es bislang je eine Schnellladestation. Beide sind rund um die Uhr für jedermann kostenlos nutzbar. In Hamm ist es der Prototyp für alle künftigen Schnellladesäulen der Tank & Rast GmbH an deutschen Autobahnen mit kompletter Technik für alle Elektroautos. In Münster steht eine Station mit CCS-Standard am VW-Autohaus Knubel an der Weseler Straße.
  • In Dortmund gibt es bislang drei Schnellladesäulen. Eine mit dem CCS-Standard steht am BMW-Autohaus in Hörde und ist während der Öffnungszeiten der Firma für jedermann kostenlos nutzbar. Die beiden anderen werden mit dem CHAdeMO-Standard vom RWE-Nachfolger Innogy betrieben. Sie stehen am Königswall 15 sowie am Rheinlanddamm 99, sind rund um die Uhr zugänglich und können mit dem Smartphone per SMS oder Kundennummer freigeschaltet werden.
 
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