Zeitungsgeschichten 

 
 
 

Goldgelber Strand und Orgelpfeifen aus Basalt


Porto Santo. Was haben Amerika-Entdecker Christoph Kolumbus und Weltfußballer Christiano Ronaldo gemeinsam, auch wenn sie ein halbes Jahrtausend voneinander trennt? Sie waren bzw. sind Immobilien-Besitzer auf Porto Santo. Einem kleinen Eiland mitten im Atlantik. Aber eins nach dem anderen.

Leichte Skepsis schwingt noch mit, als die Boing 737  nach vierstündigem Flug auf der kleinen Insel landet. Denn ziemlich üppig sind die Vorschusslorbeeren, die ich über „Madeiras kleine Schwester” gelesen habe. Von südsee-ähnlichem Traumstrand, Oasen der Entspannung oder einem der letzten Paradiese Europas ist nicht nur in offiziellen Broschüren, sondern auch in privaten Reiseberichten die Rede. Das will ich mir nun doch mal aus der Nähe anschauen. Um es gleich vorweg zu sagen: Porto Santo, das an den breitesten Stellen nur elf mal sechs  Kilometer misst, hat auch mich überzeugt. So sehr, dass ich ganz bestimmt noch einmal hinfliegen werde.

Nur ein Flugzeug auf der Landebahn

Noch habe ich den Düsseldorfer Flughafen in den Knochen: Tausende Menschen stehen sich an Dutzenden von Schaltern die Beine in den Bauch, um in einen der 30 Flieger zu steigen, die hier stündlich in die Luft gehen. Massentourismus lässt sich nur im Plural beschreiben. Das ist in Porto Santo ganz anders. Hier geht es sofort in den Einzahl-Modus: ein Flugzeug (unser eigenes) auf dem ganzen Airport. Ein Gepäckband. Und nur eine Polizistin am Ausgang. Die eine Landebahn hat es allerdings in sich. Die Boing rollt schon in der Mitte aus. So lang ist die Piste, die früher zu einem Natostützpunkt gehörte.

Eine Million Kilometer mit dem 300 D

Am Flughafen empfängt mich Sofia Santos. Sie, ihr Vater Higino und Mutter Maria Jose betreiben die Reiseagentur Lazermar auf ihrer Heimatinsel. Higino Santos, der das Familienunternehmen vor 37 Jahren gründete, nimmt mich gleich am ersten Tag mit auf Jeep Safari. Die Inselrundfahrt hat er schon ein paar tausend Mal gemacht. Anfangs mit einem Taxi der Marke Benz. Eine Million Kilometer ist der Mercedes 300 D gelaufen.  Entsprechend gut ist Higinos Meinung über deutsche Ingenieurskunst.

Spektakuläre Ausblicke über die Insel

Die 42 Quadratkilometer große Insel hat im hügeligen Hinterland einiges zu bieten: kleine Kapellen, hölzerne Bockwindmühlen, Ruinen alter Festungen und grandiose Panoramablicke. Alles nicht im Übermaß, sondern hier und da in die Landschaft gestreut. Mit Ausnahme der „Miradouros“. Von diesen wunderbaren Aussichtspunkten gibt es jede Menge. Higino kennt sie natürlich alle. Mein Reiseführer spricht nicht nur fließend deutsch, englisch, französisch, spanisch, portugiesisch und italienisch, sondern entpuppt sich auch als profunder Kenner der örtlichen Geologie. Kalk-, Sand, Basalt- und Tuffstein ragen an die Oberfläche. Teilweise von rotem Eisenoxid oder Meeresfossilien durchzogen.

Porto Santos vulkanische Geburt

Beeindruckend sind die wie riesige Orgelpfeifen empor strebenden Basaltstränge am Pico de Ana Ferreira und der dunkle Berg bei Morenos im Südosten. Er schob sich bei der vulkanischen Geburt der Insel als erster aus dem Meer. Vor 18  Millionen Jahren erkaltete Lavaflüsse durchziehen den Block. Porto Santo ist nicht nur eine der ältesten, sondern auch die geologisch reichste Insel im Atlantik. Deshalb reisen ständig Wissenschaftler an. Die BBC hat eine Dokumentation gedreht. Nächste Woche kommt mal wieder das portugiesische Fernsehen.

Wunderbares Museum in Camacha

Vorbei an uralten betonhart gepressten Sandformationen erreichen wir das Örtchen Camacha. Hier gibt es das wunderschöne Museum Cardina mit alten landwirtschaftlichen Werkzeugen und vielen liebevoll gebauten Modellen zur Getreide- und Weinproduktion. Darunter auch die steinernen Brunnen aller 14 Süßwasserquellen der Insel. Leider ist das Museum seit dem Tod seines Erbauers geschlossen. Dessen 84-jährige Schwiegermutter Isabel Melim rückt den Schlüssel nur für Higino Santos Führungen raus. Sonst kommt derzeit niemand hinein.  

Aufstieg zum Pico do Castelo

Higino könnte mir noch so viel mehr von seiner Heimat zeigen. Aber er muss zur Familienfeier. Seine Schwester wird 50. So erkunde ich die Insel an den folgenden Tagen auf kleinen Wanderungen allein. Ich erklimme kegelförmige Gipfel im Inselinneren und genieße die Aussichten an den felsigen, steil abfallenden Küstenpartien. Der 517 Meter hohe Berg Pico do Facho ist Ausgangspunkt kurzer Wanderwege, die dem Bergzug Serra de Fora folgen und das Tal Vale da Serra de Dentro durchlaufen. Schwer beeidruckt bin ich auch vom Aufstieg zum Pico do Castelo. Ich genieße die blühende Natur am Wegesrand. Unzählige Eidechsen flitzen zwischen den Felsen umher.

Garten voller exotischer Pflanzen

Auch Touren mit dem Leihfahrrad oder einem kleinen zweisitzigen Elektromobil lohnen sich. Ein Mietwagen eher nicht. Für ein Auto sind die Entfernungen nicht groß genug. Per Fahrrad  besuche ich die Quinta das Palmeiras, einen 5000 Quadratmeter großen botanischen Garten mit exotischen Pflanzen und Vögeln. In der Nähe erstreckt sich ein europaweit bekannter Golfplatz, der spektakuläre Ausblicke über die Süd- und Nordseite der Insel bietet.

Christoph Kolumbus war auch schon da

Nach den ausgiebigen Touren will ich auch ein wenig in Kultur und Geschichte der Insel eintauchen und fahre nach Vila Baleira. In diesem Hauptort lebt die Hälfte der 5500 Einwohner Porto Santos. Hier wartet außer der gotischen Pfarrkirche ein historisches Highlight: das Kolumbus-Museum. Der Amerika-Entdecker lebte als Zuckerhändler ein paar Jahre in Vila Baleira. Im Museum erfahre ich, dass Porto Santo 1418 von João Gonçalves Zarco und Tristão Vaz Teixeira entdeckt wurde. Aus Dankbarkeit für die glimpfliche Strandung nach einem Sturm gaben sie der Insel den Namen Porto Santo: Heiliger Hafen.

Sport, Entspannung und Gesundheit

Doch noch einmal zurück zu den sportlichen Aktivitäten und weiteren Tipps. Neben Wandern, Radfahren und Golfen bietet Porto Santo noch einiges mehr. Zum Beispiel Tauchen, Surfen und Segeln vor der Küste. Oder ein modernes Thalasso-Therapie-Zentrum. Interessant wäre auch eine zweitägige Kreuzfahrt nach Madeira inklusive Inselbesichtigungsprogramm. Aber ich habe für diesmal nur eine Woche Zeit. Und eines sollte auf Porto Santo keinesfalls fehlen: Relaxen und Entspannen.

Meer schon warm genug zum Baden

Denn das wichtigste auf dieser Insel sind der Strand und das Meer, die tatsächlich alle Versprechen halten. Breit und neun Kilometer lang mit wirklich türkisblauem Wasser und feinem goldgelbem Sand, der zudem noch heilende Wirkung gegen Rheuma und allerlei andere Gebrechen entfalten soll. Der Atlantik ist hier Ende Mai tatsächlich schon warm genug zum Baden. Mit 20 Grad wärmer als in den Reiseführern über Madeira steht. Auf meinen Spaziergängen  durch den Sand und die sanft ausrollenden Wellen sehe ich in den Dünen überall kleine Lokale.

Das Grundstück der Fußballstars

Ein Stück vom Hotel entfernt habe ich einen ganzen Strandabschnitt für mich allein. Dahinter hat der auf Madeira geborene Christiana Ronaldo zusammen mit Luis Figo ein Grundstück gekauft. Eines Tages wollen sie dort ein Luxushotel bauen. Im Hochsommer wird es hier  sicher lebhafter. Aber ruhige Stellen, versichert Higino Santos, finden sich auch dann noch.

 

Mit diesem Jeep haben wir jede Piste geschafft.           Foto: Münch

 

Der Aufstieg zum Pico do Castelo.                                  Foto: Münch

Mehr Fotos von der Insel Porto Santo in den Diaschauen auf dieser Website

 

Zur Orientierung hier noch mehr Karten

 

 

 

 

 

 

Zurück auf Start

Higino Santos (l.) von der örtlichen Reiseagentur Lazermar kennt auf Porto Santo jeden Winkel. Jorge Batista (r.) hält die Wanderwege instand.       Foto: Münch

 

Der breite goldgelbe Sandstrand zieht sich neun Kilometer an der Südküste Porto Santos entlang.                Foto: Münch

Denise vom Familienunternehmen Colombo vermietet Qauds, Mopeds und Fahrräder aller Art..               Foto: Münch

 

Die 84-jährige Isabel Melim wohnt direkt neben ihren großen Weinfässern.                                                 Foto: Münch

 

Kakadu Will im im Mini-Zoo und botanischen Garten Quinta das Palmeiras.                                                            Foto: Münch

 

Wer den Weg hinunter wandert, hat diesen kleinen Strand und das türkisblaue Wasser ganz für sich allein.Foto: Münch

 

Die riesigen „Orgelpfeifen“ aus Basalt streben am Pico de Ana Ferreira gen Himmel.                                        Foto: Münch

 

 

Das ehemalige Rathaus von Vila Baleira stammt aus dem 16. Jahrhundert. Es ist ein Beispiel für die portugiesische Architektur der Renaissance.                                  Foto: Münch

 

Ein typischer Vorgarten auf Porto Santos.           Foto: Münch

 

Links alte Windmühlen, rechts Palmen: ein Motiv aus dem Innern der Insel.                                                         Foto: Münch

 

Diese Feigen-Kakteen stehen an vielen Stellen einzeln, werden aber auch auf Feldern angebaut.            Foto: Münch

 

Alte landwirtschaftliche Geräte zur Getreide- oder Weinproduktion stehen im Museum Cardina.    Foto: Münch


Spezielle Informationen

> Porto Santo liegt 910 km südwestlich von Lissabon, 720 km westlich von Marokko und 43 km nordöstlich von Madeira im Atlantik. Seit kurzem gibt es eine Nonstop-Verbindung von Düsseldorf dorthin. Der Portugal-Spezialist Olimar bietet sie donnerstags an. 2014 hat Olimar dieses Angebot gestartet. Es ist der einzige Direktflug von Deutschland. Sonst ist die Insel nur mit der Fähre oder mit einem Kleinflugzeug nach Zwischenlandung auf Madeira erreichbar.

> Auf Porto Santo bietet die Reiseagentur Lazermar Rundfahrten, Ausflüge und vieles mehr unter anderem auch  in deutscher Sparache an: www.lazermar.com

> Ein anderes Familienunternehmen namens Colombo - auch hier versteht man deutsch -  vermietet Mopeds, Quads, Fahrräder und E-Bikes: www.aacolombo.com

> Flüge und Hotels können in Drensteinfurt zum Beispiel im Reisecenter Fels an der Wagenfeldstraße gebucht werden.

Und nichts Sensationelleres gibt es in der Welt als die Zeit, in der man lebt!