Zeitungsgeschichten 

 
 
 
Die Reisenden des Drensteinfurter Kunstvereins im nachgestellten Atelier des Künstlers Giorgio Morandi. 
 
Kulturhauptstadt Leeuwarden

Fliegende Äcker, knallbunte Häuser und viel Oranje am Königstag

Escher, Morandi und Theo van Doesburg


Ein Italiener in Friesland, ein Friese in Italien, bunte Häuser und fliegende Fische. Das waren die Zutaten zur dreitägigen Reise des Drensteinfurter Kunstvereins in die europäische Kulturhauptstadt Leeuwarden sowie die Nachbarorte Heerenveen und Drachten. Den Empfang bestimmte aber erstmal ein Meer aus Oranje. Ausgerechnet am Kingsday kamen die Drensteinfurter in Leeuwarden an, wo die Niederländer ihren König lautstark und ausgelassen feierten, als hätte es das Nationalteam doch noch zur  Fußball-WM geschafft.

Als sich die orangenen Wogen am nächsten Morgen geglättet hatten, ging es zum  modernen, wunderbar in die Natur eingebetteten Museum Belvédère in Heerenveen. Dort widmet sich eine Ausstellung den meisterhaften Stillleben des Italieners Giorgio Morandi (1890 – 1946), der Vasen, Becher und Flaschen zu immer neuen Kompositionen arrangierte. Weil er dabei sein Atelier in Bologna nur für seine Lehrtätigkeit in der Stadt und selten für Fahrten ans Meer verließ, mussten schon zu Lebzeiten seine Werke für ihn sprechen. Und so fand er auch jetzt seinen Weg in die friesische Provinz.

Knallige Farben an Türen und Fenstern

Ein immenser Kontrast zu Morandis zarten Formen und Farben wartete wenige  Kilometer entfernt bei einem Rundgang zum Thema „De Stijl“ in Drachten. Dem Städtchen hatte der Bauhaus-Architekt Theo van Doesburg nach den 1. Weltkrieg seinen Stempel aufdedrückt. Radikaler Anstrich mit den Grundfarben Rot, Blau und Gelb an Fenstern und Türen einfacher Häuser überforderten seinerzeit mache Bewohner. Vieles wurde rückgängig gemacht und erst ein halbes Jahrhundert später wieder zum knalligen Leben erweckt.

Inspiration in Italien und Spanien

Der Schluss- und Höhepunkt der Fahrt folgte am Sonntag in Leeuwarden. Den hier geborenen Maurits Cornelis Escher (1898 – 1972) und sein Schaffen feiert das Friesmuseum noch bis Ende Oktober mit der Schau „Escher auf Reisen“. Der Titel ist Programm und signalisierte für die Drensteinfurter das glatte Gegenteil der Morandi-Ausstellung. Denn von seinem scheuen bologneser Zeitgenossen unterschied sich der quirlige Escher so ziemlich in allem. Er fand Gück und Inspiration in Italien und Spanien. Selbst seine anfangs noch streng realen,  geometrischen Werke entfalten trotz ihrer schwarz-weißen Beschränkung mehr Energie als Morandis farbige Arrangements.

Physikalisch unmögliche Welten

Mit überbordender Fantasie entwickelt Escher später seine  berühmten physikalisch unmöglichen Welten: aus Ackerparzellen entwachsende Vögel, aufwärts fließendes Wasser, ins Nichts führende  Treppen. Dabei wuchs der Künstler nicht mit 3D-Brille auf den Augen, sondern in friesischer Landschaft auf, die sich von der westfälischen nicht so sehr unterscheidet. In die kehrten die Drensteinfurter wieder mit reichlich Input zurück.

Beim Rundgang in Grachten gab es ein wenig Regen, gegen den man sich aber mit den bestens präparierten Museumsschirmen wappnen konnte.        Fotos: Münch

 

Zur Orientierung dazu hier auch einige Kartenausschnitte

 

Zurück auf Start

Der friesische Künstler lässt Ackerzellen zu Vögeln mutieren: Die Ausstellung „Escher auf Reisen“ im Friesmuseum in Leeuwarden war das Highlight auf der Fahrt des Kunstvereins.                    Foto: Münch

 

Leeuwarden ist Europas Kulturhauptstadt im Jahr 2018.                                                       Foto: Münch

 

Knallig lackierte Fenster und Türen an den Häusern im vom Architekten Theo van Doesburg geplanten Wohnquartier in Drachten.                      Foto: Münch

 

Verführerisch schlau: Die Frauen des Kunstvereins vor einem überdimensionalen  Schaufensterbild der in Leeuwarden geborenen Spionin und Tänzerin Mata Hari.                                                Foto: Münch

 

Diese Skulptur in Form eines Wal-Skeletts schwebt über den Köpfen der Passanten in einer Gasse in Leeuwardens Altstadt.                             Foto: Münch

 

Nächtlicher Blick über eine der Leeuwardischen Grachten.                                                 Foto: Münch

 

Mehr Fotos von der Fahrt nach Friesland in den Diaschauen auf dieser Website

Und nichts Sensationelleres gibt es in der Welt als die Zeit, in der man lebt!