Das Elektroauto im alltäglichen Betrieb
Erfahrungen und Erlebnisse im Jahr 2017
 
Nach über zwei Jahren intensiver Beschäftigung mit Elektromobilität, nach den Tests fast aller aktuell verfügbaren Modelle und Erprobung der Ladeinfrastruktur in Deutschland und einigen Nachbarländern war die Zeit zu Beginn des Jahres 2017 reif für ein eigenes E-Mobil. Es sollte ein Fünfsitzer mit ausreichendem Kofferraum sein. Und es musste eine Reichweite von gut 300 Kilometern haben. Da kamen Anfang 2017 außer den für mich nicht erschwinglichen Modellen von Tesla nur der Opel Ampera-e und die neue Zoe von Renault mit der großen Batterie in Frage. Doch als General Motors den Verkauf seiner Marke Opel an den französischen PSA-Konzern einfädelte, stand der groß angekündigte Ampera-Start in Deutschland plötzlich wieder in den Sternen. Inzwischen ist er ganz gestrichen. Also lief schließlich alles auf die Zoe hinaus. Wie sich das entwickelte, halte ich hier in meinem Blog bis zum Ende des Jahres 2017 fest. Das Tagebuch beginnt mit der Bestellung des Autos unten auf der Seite und wird dann nach oben immer aktueller. Der neueste Bericht steht also direkt hinter dem folgenden großen Foto.
 

Der elektrische Renault vor der öffentlichen Ladestation am Drensteinfurter Bahnhof.                        Foto: Münch

 

                24. Dezember: Immer leise und sauber, warm und eisfrei                

Am heutigen Heiligen Abend endet dieses Tagebuch über mein erstes Jahr mit dem Elektroauto. Und da kann ich nach den zuletzt etwas ernüchternden Erfahrungen mit dem Schrumpfen der Reichweite und dem Wachsen der Ladedauer bei niedrigen Temperaturen nun auch etwas Positives über den Winterbetrieb der Zoe berichten. Der Elektromotor springt auch bei Frost und Nässe stets problemlos an. Es gibt ja keine Zündkerzen oder andere wichtige Teile, die einfrieren können. Vor allem ist es sehr angenehm, immer in ein warmes, eisfreies Auto zu steigen. Entweder ich programmiere die Heizung samt Scheiben-Enteisung vorab für eine bestimmte Uhrzeit. Das klappt allerdings nur, wenn der Wagen an einer Stromquelle hängt, was ja auch sinnvoll ist, um die Batterie zu schonen. Ober ich gebe mit der Fernbedienung fünf bis zehn Minuten vor der Abfahrtzeit das Kommando zum Heizen. Das kostet dann natürlich Energie aus dem Akku, funktioniert aber überall, egal wo das Auto steht. Das mit dem Vorheizen ihrer Fahrzeuge machen im Winter jede Menge Leute. Leider oft bei laufendem Motor. Dann fliegen einem Lärm, Gestank und besonders giftige Abgase minutenlang um die Ohren, bis sich das Fahrzeug endlich in Bewegung setzt. Mit der Zoe geht das dagegen geräuschlos und sauber. Und das beweist einmal mehr die Überlegenheit des Elektroautos nicht nur in Sachen Umweltschutz, sondern auch beim Komfort. In diesem Sinne allen meinen Lesern ein frohes  

Weihnachtsfest und ein gutes Jahr 2018, in dem die Zahl der E-Mobile weltweit in die Höhe schießen und die der Abgasautos in den Keller rauschen möge

   

                      18. Dezember: Der Akku mag den Winter nicht                         

Mittlerweile sind die Temperaturen dauerhaft unter null Grad Celsius gesunken. Und das macht sich nun auch dauerhaft negativ bei der Reichweite der Zoe bemerkbar. Sie liegt nicht mehr bei rund 300 Kilometer wie im Frühjahr. im Sommer und im milden Herbst, sondern nur noch bei durschnittlich 200 Kilometer. Hinzu kommt, dass sich auch die Ladedauer drastisch verändert hat. Während ich in den wärmeren Monaten tatsächlich die 22 kw-Ladeleistung des Autos an einer 22 kw-Ladestation nutzen konnte, geht das unter dem Gefrierpunkt um den Faktor 3 in die Knie. Ich brauche jetzt also nicht mehr zwei, sondern fast sechs Stunden, um meinen leeren Akku wieder voll zu laden. Er mag offensichtlich den Winter nicht. Siehe dazu auch die beiden folgenden Zeitungsartikel:

  E-Autos haben Probleme mit Kälte      Warum sinkt die Reichweite im Winter?

Das hat etwas mit der aktuell verwendeten Technik bzw. Chemie der Batterien zu tun. Die in den heutigen Akkus verwendeten Elektrolyte sind flüssig. Bei niedrigen Temperaturen werden sie zähflüssig und frieren irgendwann sogar ein. Eine Lösung dieses Problems sollen die Akkus der nächsten Generation bringen, die einen festen Elektrolyt statt eines flüssigen verwenden. Mehr dazu auf der folgenden Seite:

Festkörper-Akkus

                22. November: Weihnachtshütte wichtiger als E-Tankstelle               

                       Außer Betrieb wegen Weihnachtsmarkt.   Foto: Münch

Heute bekam ich einmal mehr bestätigt, dass die Stadt Münster vieles tut, um Elektroautos fern zu halten. Die Ladesäule am Touristenbüro zwischen den großen Kaufhäusern ist die einzige frei zugängliche Ladestation in der Innenstadt. Die wenigen anderen Ladesäulen liegen in Parkhäusern, sind dort oft zugestellt und kosten teure Parkgebühren. Also die einzige öffentliche Ladestation in der City hat die Stadt jetzt für sechs Wochen eingepackt und eine Weihnachtshütte davor gestellt. Eine von einigen hundert Buden, die nun wieder die münstersche Innenstadt zieren. Dass so eine Ladesäule schlecht mitten auf dem Weihnachtsmarkt stehen kann, ist verständlich. Allerdings ist der Platz auch in sonstigen Jahreszeiten wegen der komplizierten Zufahrt und den vielen Fußgängern denkbar ungeeignet. Es gäbe genügend bessere Stellen auf einem der öffentlichen Parkplätze im Stadtzentrum. Das es aber noch krassere Schikanen gegen Elektromobilisten gibt, erfährt der Leser auf folgender Seite:

Anruf bei der Polizei kostet 1500 Euro

                7. November: GEM Cars und Grevener Elektrofahrzeuge                  

Gestern fuhr ich ins Parkhaus an der Königstraße in Münster, um dort mein Auto an einer Stromstation der Stadtwerke zu laden. Mein Blick fiel zufällig auf dieses urige Gefährt der Firma "Butterhandlung Holstein":

                                 Foto: Münch

Das Besondere an dem kleinen Transporter: Vom Kühler führte ein Stromkabel zu einer Schukosteckdose in einer Wand der Tiefgarage. Das Auto war mir noch nie in Münster aufgefallen. Ich rief bei der Firma Holstein an und erfuhr, dass sie den Lieferwagen schon seit einigen Jahren erfolgreich einsetzen. Nach ersten Recherchen dachte  ich, es sei ein Fabrikat des Unternehmens Grevener-Elektro-Fahrzeuge GEF. Dort fragte ich nach und erfuhr, dass der Transporter vom amerikanischen Hersteller GEM Car stammt. Das sagte mir etwas, denn GEM Cars hatte ich schon auf meiner Übersichtsliste von 200 Elektroautos aus drei Jahrhunderten vorgestellt. Doch auch die Grevener Firma ist interessant. Ihre Marke für Elektrofahrzeuge mit Straßenzulassung ist Melex aus Polen. Melex baut robuste und zuverlässige Zwei- bis Achtsitzer sowie Transporter mit bis zu 1,2 Tonnen Zuladung. Wenn Melex etwas nicht anbietet, dann kann es die Grevener-Elektro-Fahrzeuge  GEF kundenspezifisch realisieren. Das gilt zum Beispiel für An- und Aufbauten.  Auch bei Fahrzeugen anderer Hersteller. Die Grevener rüsten auch  gewerbliche Kleintransporter von Verbrenner- auf Elektroantrieb um. Mehr über die Grevener Firma beim Klick auf das folgende Bild.

                                                                                  Foto: GEF

Doch zurück zum Parkhaus in Münster: Diesmal fand ich einen freien Platz an der Ladesäule. Es handelt sich um eine normale öffentliche Ladestation der Stadtwerke Münster mit zwei 22 kw-Anschlüssen. Zu meiner Verblüffung stellte ich aber fest, dass davor nur ein Stellplatz für Elektroautos ausgewiesen ist. Die anderen Plätze dahinter und daneben dürfen von allen Autos genutzt werden und sind deshalb auch immer von PKW mit Verbrennungsmotor belegt. Da ist die mangelnde Ladeinfrastruktur in aller Munde. Und dann machen die Stadtwerke in Münster solch einen Unsinn. 

                             4. November: Die Heizung zieht enorm viel Energie                                  

Seit meinem letzten Tagebucheintrag sind fast zwei Monate vergangen. Ein Zeichen dafür, dass das Auto problemlos gelaufen ist. Der Fahrspaß ist noch so groß wie am Anfang. Auch mit den Winterreifen, die seit zwei Wochen aufgezogen sind. Auf dem Tacho stehen mittlerweile 5600 Kilometer. Demnach bin ich im Monat durchschnittlich etwas mehr als 1000 Kilometer gefahren. Im Sommer bis in den September hinein und auch noch an den vielen warmen Oktobertagen hat sich die Klimaanlage nur sehr wenig auf den Verbrauch ausgewirkt. Das ist nun mit der Heizung ganz anders. Seitdem die Temperaturen unter 10 Grad gefallen sind und die Heizung permanent läuft, ist die Reichweite sehr deutlich gesunken. Habe ich bis Oktober immer etwa 300 Kilometer mit einer Akkuladung geschafft, so muss ich nun gute 20 Prozent abziehen und liege bei normaler Fahrweise nur noch bei einer Reichweite von rund 245 Kilometer. Ich bin gespannt, wie es im Winter bei frostigen Temperaturen aussehen wird.

                 10. September: Sparsame "Parkraumbewirtschaftung"                   

                  

Das nenn ich mal gute Parkplatzausnutzung: An der Ladestation der Stadtwerke am Ludgeri-Kreisverkehr in Münster stehen bisweilen Teslas, große BMW-Hybride oder ähnliche PS-Protze so unglücklich, dass kein weiteres Elektroauto mehr daneben passt. Dabei wäre eigentlich bei rücksichtsvollem Parken immer noch Platz für ein zweites Fahrzeug. Heute stand da ein Elektrosmart ziemlich in der Mitte, als ich dort ankam. Ich quetschte meine Zoe links daneben vor den Baum, startete meinen Ladevorgang und verließ den Ort Richtung Münster-Marathon, der gerade in der Innenstadt lief. Als ich zurück kam, stand da tatsächlich noch ein Renault Twizy rechts neben dem Smart. Schade nur, dass er nicht laden konnte. Denn die Säulen der Stadtwerke Münster haben nur zwei Anschlüsse für die Typ 2-Stecker. Die Ladesäulen der Stadtwerke Düsseldorf haben zum Beispiel zusätzlich noch normale Schuko-Steckdosen. Da hätte der Twizy dann auch noch laden können. Denn er braucht genau diesen Anschluss.   

                      8. September: Ladeplatz am Bahnhof blockiert                         

Heute früh habe ich wieder eine zugestellte Ladesäule vorgefunden. Vor der Stromtankstelle am Drensteinfurter Bahnhof stand ein blauer Benzin-PKW und blockierte den linken Ladeplatz, obwohl noch andere Stellplätze frei waren. Dabei ist das in Drensteinfurt im Gegensatz zu anderen Städten klar geregelt. An beiden Ladeplätzen steht ein offizielles Parkverbotsschild und daneben die Erklärung, dass der Platz nur für Elektroautos frei ist. Als ich morgens kurz vor 8 Uhr zum Bahnhof kam, war der blaue Wagen schon da. Mittags stand er immer noch dort. Die App des Stromanbieters zeigte den Platz als frei an, weil ja kein Auto dort lud. Wäre ein Kunde im Vertrauen auf diese Information zu dieser Ladesäule gekommen, hätte er sich geärgert. Er hätte keinen Strom tanken können, weil auf dem Platz daneben tatsächlich ein E-Auto lud. Die nächste öffentliche Ladesäule ist in Ascheberg, fast zehn Kilometer entfernt. 

Dieser blaue PKW blockierte den Ladeplatz.

                        7. September: Alles geht ruhig seinen Gang                           

Es ist schon ein bisschen langweilig. Es gibt eigentlich nichts Neues über mein Elektroauto zu berichten. Und das ist eigentlich ein gutes Zeichen. Ich fahre regelmäßig mit der Zoe zu meinen Strafprozessen, über die ich berichte, an den verschiedenen Gerichten im Münsterland. Nach wie vor bin ich sehr zufrieden. Die Reichweite pendelt sich immer weiter bei rund 300 Kilometern ein. Auf der Autobahn, wenn ich ordentlich Gas gebe, braucht der Wagen natürlich deutlich mehr Strom. Doch auf den Landstraßen und im Stadtverkehr, wenn ich im Eco-Modus fahre, ist die Zoe wirklich sparsam unterwegs. In Münster gibt es weiterhin Probleme mit den Ladesäulen der dortigen Stadtwerke, die öfter mal zugeparkt sind. Selbst in den teuren Parkhäusern. Aber überall dort, wo ich innogy-Stationen finde, ist das Laden eine wahre Freude, weil es mit dem intelligenten Kabel so einfach funktioniert.    

                          27. August: Kaum Stromverlust im Urlaub                            

Urlaubszeit: Zwei Wochen stand mein Elektroauto jetzt auf einem Parkplatz am Flughafen Münster/Osnabrück. Als ich die Zoe dort abgestellt hatte, zeigte sie noch eine Reichweite von 152 Kilometern an. Als ich gestern wieder in das Auto einstieg, standen 151 Kilometer auf der Anzeige. Also ein sehr geringer Unterschied, der auf ein ganzes Jahr hochgerechnet einen Verlust von 24 Kilometern Reichweite bedeuten würde. Ob die Akkus die Energie auch im Winter bei tieferen Temperaturen so gut halten werden, bleibt abzuwarten.

                          8. August: Neuer Ampera und alter Lappen                          

Gestern und heute habe ich den neuen Opel Ampera-e ausgiebig getestet. Ein wunderbares Elektroauto mit einer echten Reichweite von mehr als 400 Kilometern bei normaler Fahrweise. Es ist bisher das beste E-Auto neben den Teslas. Zum Bericht dazu mit einigen Bildern geht es

beim Klick auf das Foto.  Das Bild zeigt Teresa Beerens vom Lüdinghausener Autohaus Rüschkamp, das das Testfahrzeug zur Verfügung stellte. Bei allem Lob muss aber ein Kritikpunkt angemerkt werden. Das Auto kann an einer starken heimischen Wallbox oder einer der gängigen öffentlichen 22 kw-Ladestationen nur mit maximal 7,2 kw laden. Da die große Batterie des Ampera-e 60 Kilowattstunden fasst, bedeutet das eine Ladezeit von über acht Stunden bei komplett leeren Akkus. Allerdings kann der Wagen auch an einer Schnellladestation mit 50 kw geladen werden. Dann ist die Batterie nach einer Stunde wieder zu 80 Prozent gefüllt. So viel zum neuen Ampera.

Antiker Führerschein für E-Autos gültig?

Und nun zum alten Lappen: So nannten wir früher die großen, grauen Führerscheine aus reißfestem Papier, die schnell speckig und knittrig wurden. Beim Anblick des Opel Ampera-e holte heute in Drensteinfurt-Walstedde ein älterer Zeitgenosse so ein Führerschein-Exemplar aus der Tasche, das er nie durch eine moderne Karte ersetzt hat. Der Lappen ist immer noch gültig. Doch steht an wichtiger Stelle, dass der Besitzer dieses Dokumentes die Erlaubnis erhalte, "ein Kraftfahrzeug mit Antrieb durch Verbrennungsmaschine zu führen". Ob er denn damit überhaupt ein Elektroauto fahren dürfe, warf der Mann in den Raum. Die Frage ließ mich nicht mehr los. Deshalb legte ich sie erstens dem Straßenverkehrsamt in Beckum und zweitens dem Kraftfahrtbundesamt in Flensburg vor. In beiden Fällen lautete die Antwort: Ja, auch der alte Führerschein mit Erlaubnis zum Steuern von Fahrzeugen der früheren Klasse 3 berechtige zum Fahren moderner PKW, also auch Elektroautos. Das könne ja gar nicht anders sein. Da sei man sich ziemlich sicher, betonten beide Herren in den Ämtern. Einer ließ sich allerdings eine klitzekleine Hintertür auf: Das sei zu 99,9 Prozent so. Aber beim deutschen Amtsschimmel müsse man ja bisweilen auf alles gefasst sein. Vermutlich ist er selbst Beamter. Mehr dazu in diesem Artikel. Auch ich besitze noch einen alten grauen Lappen. Der ist allerdings ungültig, weil ich ihn vor Jahren gegen die schnöde Plastikkarte umgetauscht habe. Die Stelle mit der Verbrennungsmaschine habe ich herauskopiert. Hier ist sie:

                             

                      3. August: In Hamm viel besser als in Münster                          

Gleich einen Tag nach dem Ärger in Münster erlebe ich in Hamm, wie man es erheblich besser machen kann. An der Ladesäule der Stadtwerke Hamm im Parkhaus am Willi-Brandt-Platz kann ich meine Zoe problemlos laden. Hier wird der Ökostrom für E-Autos kostenlos zur Verfügung gestellt. Das wird und muss sicher so nicht bleiben. Aber es ist eben nicht die Abzocke wie in Münster. Ein Ziel sollte es sein, dass der Fahrstrom eines Tages überall so viel kostet wie der Haushaltsstrom. In Hamm wird übrigens auch deutlich darauf hingeweisen, dass die Stellplätze vor der Ladesäule nur für Elektrofahrzeuge vorgesehen sind. Allerdings muss auch kritisch angemerkt werden, dass es in der 180.000-Einwohner-Stadt Hamm bislang noch sehr viel weniger öffentliche Stromtankstellen gibt als in der 305.000-Einwohner-Stadt Münster. Außerdem wird das Parkhaus am Willi-Brandt-Platz werktags um 22 Uhr und am Wochenende komplett geschlossen.

          

An der Ladesäule der Stadtwerke Hamm in der Tiefgarage am Bahnhof wird Ökostrom kostenlos abgegeben. Außerdem wird deutlich gemacht, dass die Stellplätze nur für E-Fahrzeuge vorgesehen sind.             Fotos: Münch

                       2. August: In Münster wieder alles problemvoll                        

Ganz anders als in Düsseldorf ist die Lage leider nach wie vor in Münster. Düsseldorf hat gut doppelt so viele Einwohner wie Münster , aber rund zehnmal so viele Stromtankstellen. Die Ladestationen von innogy in Münster funktionieren. Sie liegen aber zumeist außerhalb der Innenstadt. In der City gibt es nur die Stationen der Stadtwerke Münster. Und damit beginnen die Probleme. Denn während Kunden der Stadtwerke Münster mit einer Ladekarte dort kostenlos Strom tanken können, müssen andere Elektromobilisten 9,95 Euro pro Ladevorgang berappen. Das ist nach meinen Recherchen bundesweit die größte Abzocke. Die Stationen werden per Telefon freigeschaltet, die Bezahlung erfolgt über die Handyrechnung. So weit, so gut. Aber bis sie Strom für rund zehn Euro im Akku haben, müssten fast alle E-Autos stundenlang an der Ladesäule stehen. Und dann wird es doppelt teuer. Denn die meisten Ladesäulen der Stadtwerke Münster stehen hinter Schranken. Entweder auf kommerziell betriebenen Parkplätzen wie an der Grevener Straße 61a. Oder in Parkhäusern wie etwa dem Parkhaus Münster Arkaden mit der Einfahrt von der Königstraße. Und die Parkgebühren in Münster sind happig. Mit Elektroautos bin ich schon in etlichen Städten in Deutschland und in den Nachbarländern gewesen. Die doppelte Abzocke wie in Münster habe ich sonst nirgenwo erlebt. Wenn zum Beispiel mal eine Ladesäule auf einem Parkplatz hinter Schranken war, dann konnte ich ihn trotzdem wieder kostenlos verlassen. Die meisten Städte und Stadtwerke wollen ja gerade die Elektromobilität fördern. Viele bieten zusätzlich zu den Ladeplätzen sogar noch kostenlose Parkplätze für E-Autos. In Münster ist es halt umgekehrt. 

    

Am 2. August blockierte erst dieser Volvo aus Recklinghausen die Ladeplätze im Parkhaus Münster Arkaden. Danach stellte sich ein Audi-Fahrer aus dem Kreis Steinfurt auf den Platz. Beide keine Elektroautos. Fotos: Münch

Was ich aber heute dort erlebt habe, das schlägt dem Faß den Boden aus. Ich hatte einen Termin um 11 Uhr in der Stadt. Mit meiner Zoe fuhr ich zunächst zum Parkplatz am Ludgeriplatz. Dort war die Ladesäule wie so oft von einem großen BMW-Hybridauto blockiert. Und zwar so, dass kein zweites Fahrzeug daneben passte. Für zwei Autos ist es dort zu eng, so dass eine der Steckdosen immer ungenutzt bleiben muss. Es sei denn, es laden mal gerade ein E-Smart und ein kleiner Twizy gleichzeiig. Ich fuhr weiter ins Parkhaus Münster Arkaden, nahm also die höheren Parkgebühren in Kauf, um pünktlich zu meinem Termin zu kommen. Aber neben der Ladesäule stand ein riesiges Volvo-SUV. Das war kein Elektroauto, nicht mal ein Hybrid. Aber dafür war es breit genug, um gleich beide Ladeplätze zu blockieren. Daneben hätte meine Zoe mit eingeklappten Spiegeln gepasst. Aber ich hätte nicht mehr aussteigen können. Um meinen Termin nicht zu verpassen, musste ich einen anderen Stellplatz nehmen und am Ende die Gebühren bezahlen, ohne als Kunde der Stadtwerke Münster meinen Strom dort zapfen zu können. Kurz vor meinem Termin informierte ich noch den Hausmeister des Parkhauses über die ärgerliche Situation. Der versprach, sich darum zu kümmern. Als ich nach zweieinhalb Stunden zurück kam, war der Volvo weg. Dafür stand nun ein dicker Audi an der Ladesäule. Natürlich auch kein Elektroauto. Ähnliches erlebe ich immer wieder an den Stromtankstellen der Stadtwerke Münster. In anderen Städten und bei anderen Stadtwerken wird das viel genauer kontrolliert.

                        1. August 2017: In Düsseldorf alles problemlos                       

Heute geht es in meine alte Heimatstadt Düsseldorf. Auf der Strecke über die A 1 und die A 46 durch das Bergische Land vorbei an Wuppertal habe ich in den vergangenen beiden Jahren alle Elektroautos getestet. Die meisten hatten nur eine halb so große Batterie wie meine Zoe. Deshalb musste ich nach der 122 Kilometer langen Hinfahrt immer irgendwo in Düsseldorf aufladen, um wieder nach Hause zu kommen. Das gestaltete sich in aller Regel einfach. Eine Menge Stromtankstellen der Stadtwerke Düsseldorf oder des Energieversorgers RWE (heute innogy) waren stets zugänglich. Mittlerweile ist das Netz in Düsseldorf noch dichter. Und ich habe heute die Auswahl zwischen vier Ladestationen im Umkreis von rund einem Kilometer um mein Ziel. Eigentlich ist noch genug Strom für die Rückfahrt im Akku. Aber ich teste mal alle Stationen in meiner Umgebung. An zwei von ihnen wird gerade ein Tesla bzw. eine andere Zoe geladen. Aber es wäre immer noch ein Steckplatz frei. Und das Schöne: Alle Ladesäulen sind frei und kostenlos zugänglich. Egal ob auf einem Supermarktparkplatz, einem anderen Firmengelände oder einem städtischen Gelände. Note 2 für die Ladeinfrastruktur in Düsseldorf. Für eine 1 müsste es noch mehr Stationen geben. Übrigens gibt es an der Strecke vom Münsterland nach Düsseldorf auf der Autobahn-Raststätte Lichtendorf Süd bei Schwerte eine Schnellladestation, die derzeit noch kostenlos Fahrstrom abgibt. 

                    30. Juli 2017: Sehr sparsam unterwegs gewesen                        

Zurück aus Xanten. Eine kleine Verbrauchsbilanz dieser Fahrt, die ich zusammen mit meiner Frau unternommen habe, kann gezogen werden: Insgesamt haben wir 230 Kilometer zurück- gelegt. In Xanten und Umgebung bin ich gefahren. Auf der Hin- und Rückfahrt, jeweils 101 Kilometer, saß meine Frau am Steuer. Sie fährt zügig, aber zugleich so ruhig und gleichmäßig wie ich es nur mit dem Tempomaten schaffe. Das macht sich beim Verbrauch bemerkbar. Wir haben die kürzeste Strecke genommen. Von Drensteinfurt auf der B 58 immer nach Westen, durch Lüdinghausen und Haltern bis nach Wesel. Von dort die letzten zwölf Kilometer über den Rhein nach Xanten. Am Ziel vor dem Hotel zeigt das Display noch eine Reichweite von 213 Kilometern an. Für die Hinfahrt haben wir 13,8 Kilowattstunden verbraucht - gerade mal ein Drittel der Akku-Kapazität. Die Zoe haben wir ausschließlich im Eco-Modus gelassen. Da wird das Tempo auf 95 km/h begrenzt. Aber auf der Bundesstraße konnten wir auch kaum schneller fahren. Meist sind nur 70 km/ erlaubt oder ein LKW bremst einen aus. Auf der Rückfahrt fährt meine Frau im Normalmudus. Wo es möglich ist, fährt sie rasant. Als wir zu Hause sind, haben wir 15,1 Kilowattstunden verbraucht. Auch das durchaus passabel. Die Fahrt im sicher vor sich hin surrenden Auto war angenehm. Die Hardware der Zoe ist sehr gut. Die Software bei der Suche nach Ladestation (siehe Eintrag vom Vortag) hat noch Luft nach oben. Allerdings hätten wir unterwegs gar keine Stromtankstelle gebraucht. Auch ohne Nachladen wären wir locker nach Xanten und zurück gekommen. Ökologisch noch sinnvoller wäre natürlich eine Fahrt mit der Bahn gewesen. Doch im Gegensatz zu den Nord-Süd-Verbindungen lässt der öffentliche Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen von Ost nach West sehr zu wünschen übrig. Vom Bahnhof Drensteinfurt bis zum Bahnhof Xanten hätten wir zweimal den Zug wechseln und dann für die Fahrt zum Hotel den Bus nehmen müssen. Das hätte über drei Stunden gedauert und für uns beide knapp 50 Euro gekostet. Mit unserem Elektroauto haben wir für die einfache Strecke eindreiviertel Stunden gebraucht und für den Fahrstrom keine vier Euro bezahlt.  

                            29. Juli 2017: Das Navi spielt verrückt                               

Vor ein paar Tagen habe ich mit der Navigation in meiner Zoe nach einer Ladestation in der westfälischen Stadt Ahlen gesucht. Vorgeschlagen wurde eine RWE-Ladesäule. Allerdings versehen mit folgender Warnung:

                              

Ich ließ mich trotzdem zum Ziel führen, weil ich bisher noch an jeder Station einen Anschluss für den Typ 2-Stecker oder zumindest für einen normalen Schukostecker gefunden habe. Doch in Ahlen wurde ich zu einem großen Parkplatz geführt, auf dem nirgendwo ein Ladeanschluss zu finden war. Nach ausführlicher Suche sah ich einen Strom-Verteilerkasten von RWE. Dahin wollte mich das Navi offenbar lotsen. Aber der Kasten war natürlich fest verschlossen. Warum taucht er dann überhaupt in der Liste der Stromtankstellen von Renault bzw. TomTom auf?

Doch damit nicht genug. Heute Morgen befragte ich das Navi meines Autos erneut. Diesmal suchte ich nach einer Lademöglichkeit in der Römerstadt Xanten am Niederrhein. Als Treffer lieferte es eine innogy-Station an der B 57 anderthalb Kilometer vom Ortskern entfernt und eine newmotion-Station an der Hagdornstraße in der Nähe des Xantener Bahnhofs. Ich wählte zuerst die innogy-Station und landete an einer Total-Tankstelle. Die verblüffte Tankwartin wusste nichts von einer Ladesäule für E-Autos. Also Fehlanzeige. Weiter ging es zur Hagdornstraße, die ich dann dreimal rauf und runter fuhr. Doch auch hier war nichts zu finden.

Also nahm ich mein Smartphone zur Hand und befragte wieder die gute alte e-Stations-App, auf die ich mich bisher fast immer verlassen konnte. Das war auch diesmal der Fall. Sie navigierte mich exakt zu einer innogy-Ladesäule auf einem großen Parkplatz in der Nähe des Xantener Römermuseums und der archäologischen Stätten. Hier hing ein Kia Soul EV am Kabel. Ein Ladeplatz war noch frei. Später entdeckte ich zufällig eine weitere innogy-Säule direkt im Stadtzentrum neben der Touristeninformation. Die war allerdings in keinem einzigen Suchportal für Elektrotankstellen verzeichnet. Aber mein intelligentes Ladekabel funktionierte hier einwandfrei. Fazit der letzten Tage: Auf die e-Stations-App kann ich mich meistens, auf die innogy-Ladesäulen immer verlassen. Da die Firma innogy selbst eine App anbietet, mit der alle Ladestationen ihres Netzes zu finden sind, werde ich künftig in der Regel damit suchen, zumal dann auch gleich angezeigt wird, welche Ladeplätze an der Station frei oder belegt sind. Wenn keine innogy-Station in der Nähe ist, werde ich wieder auf e-Stations zurückgreifen.

 

An dem Ort,  zu dem mich das Navi meiner Zoe lotste (links), gibt es keine Ladestation.  Tatsächlich steht sie auf einem großen Parkplatz in der Nähe des  Xantener Römermuseums (rechts). Exakt dorthin führte mich die App e-Stations. Die innogy-App hätte es auch getan.                                                                                      Fotos: Münch

                         28. Juli 2017: Elektroauto in der Fahrschule                           

Heute erschien im Westfälischen Anzeiger ein wunderbarer Artikel über den Einzug von Elektroautos in den Fahrschul-Unterricht. Mehr dazu auf dieser Seite: E-Fahrschule.

                         26. Juli 2017: Weder motion noch compleo                            

Demnächst fahre ich nach Lünen. Nach den Erfahrungen der letzten Tage mit unzugänglichen Ladestationen mache ich mich vorher schlau. Meine App zeigt mit zwei öffentliche Ladesäulen am Gelände einer Firma EBG compleo GmbH. Gleich bei der Begrüßung auf der Homepage dieser Firma lese ich einen Bericht über die Elektroauto-Rallye "Tour de Ruhr 2017" mit dem Titel "Erster Ladehalt bei der EBG Compleo" und dem Text, dass es die Teilnehmer der diesjährigen Tour ins beschauliche Lünen verschlagen habe. Das verstärkt den Eindruck, dass es dort öffentliche Ladesäulen geben muss. Doch ich bin vorsichtig geworden und rufe lieber mal bei der Firma an. Zum Glück. Denn ich erfahre, dass die Säulen mitnichten öffentlich sind, sondern nur für den eigenen Bedarf. Man sei kein Anbieter von Ladestrom, sondern stelle die Ladesäulen her. Die Mitarbeiterin der Firma weiß aber, dass es in der Lünener Innenstadt eine Ladestation der Stadtwerke Lünen gebe. Und bei den Stadtwerken erfahre ich, dass diese Station auch tatsächlich für alle Elektroautofahrer öffentlich zugänglich ist. Sie könne durch einen Telefonanruf bei der auf der Säule vermerkten Nummer rund um die Uhr frei geschaltet werden. Diese Ladestation war in meiner App gar nicht verzeichnet. In der übernächsten Woche werde ich dieses Angebot nutzen. 

                            25. Juli 2017: Immer noch keine motion                            

Nach den schlechten Erfahrungen gestern will ich heute feststellen, ob meine newmotion-Karte überhaupt funktioniert. Da ich ohnehin nach Münster ins Planetarium wollte, suchte ich mir vorher über e-Stations eine als newmotion gekennzeichnete Ladesäule. Mein Navi führte mich auf das Gelände der Uni-Klinik. Am Eingang erkundigte ich mich beim Pförtner nach dem Standort der Säule. Er schüttelte den Kopf. Danach hätten schon etliche E-Autofahrer gefragt. Aber die Station sei nicht öffentlich, sondern nur für die eigenen Elektrofahrzeuge der Klinikums. Warum bitte schön wird sie dann aber als öffentliche Station in meiner App genannt? Allmählich beginne ich, meine immer funktionieren innogy-Ladesäulen zu lieben.

                                       24. Juli 2017: No motion                                       

Mit der App "e-Stations" zum Finden von Ladestationen habe ich bisher gute Erfahrungen gemacht. Zum Beispiel plante ich damit vor einem Jahr meine komplette 2000 Kilometer lange Tour von Niedersachsen bis in die Schweiz und zurück. Nirgendwo gab es Probleme. Ärgerlich waren nur die vielen unterschiedlichen Systeme zum Freischalten der Säulen. Aber da können die Betreiber der App nichts für. Doch jetzt ist auf einmal der Wurm drin. Gestern wollte ich bei einem Besuch im Rosengarten in Seppenrade mein Auto an der Station laden, die direkt dort steht. Die App hatte mir verraten, dass sie zum Netz des Roaming-Anbieters "newmotion" gehört, der sich mit über 30.000 Ladestationen in ganz Europa rühmt. Aber meine newmotion-Karte funktionierte nicht. Das Lesegerät an der Säule reagierte nicht darauf. Ad hoc konnte mir bei der newmotion-Hotline niemand helfen. Erst heute erfuhr ich, dass die Säule nicht von newmotion selbst betrieben wird, sondern von einem Roaming-Partner. Man könne aber sehen, dass dort sehr lange nicht geladen wurde, dass die Station also offensichtlich nicht funktionsfähig ist. Aha!? Die Ladesäule am Ro-sengarten in  Seppen-rade.       Foto: Münch

                         21. Juli 2017: VW Polo blockiert Ladesäule                            

Vor vier Tagen habe ich noch zufrieden über die Lademöglichkeit am Toom-Baumarkt an der Hammer Straße in Münster berichtet. Heute wollte ich dort nochmal einkaufen und in der Zeit meine Zoe laden. Doch diesmal war die Säule blockiert. Neben dem eigenen Elektroauto des Baumarktes, einem Peugeot iOn, der dort vormittags immer Strom tankt, stand ein schwarzer Polo. Ein Benziner, der auf dem Platz nun wirklich nichts zu suchen hat, zumal einige Dutzend andere Parkbuchten frei waren. Als ich drei Stunden später wieder dort vorbei kam, stand der Polo immer noch da. Offenbar ein Dauerparker, der gar kein Toom-Kunde war. Im Baumarkt wurde mir versichert, dass man sich nun um einen Hinweis an der Ladesäule kümmern wolle. Daraus soll hervorgehen, dass der Stellplatz vor der Säule für Elektroautos reserviert ist.

         

            Ein schwarzer  VW Polo blockierte den Platz vor der  Ladesäule gleich für mehrere Stunden. Mit                             meiner Zoe (rechts) kam ich da nicht ran. Foto: Münch

                            20. Juli 2017: Weitere Tests in Planung                              

Mittlerweile gibt es drei weitere Elektroautos auf dem deutschen Markt, die ich noch nicht getestet und entsprechend ausführlich in diesem Blog vorgestellt habe: das Model X von Tesla, den Opel Ampera-e und den chinesischen BYD e6. Bei allen drei Firmen bzw. deren deutschen Vertretern habe ich um ein Testfahrzeug gebeten. Darauf hin habe ich eine Zusage vom Autohaus Rüschkamp für den Ampera-e für Mitte August bekommen. Und heute kam eine Antwort des deutschen BYD-Vertragspartners aus Deggendorf. Darin heißt es: "Unsere drei Poolfahrzeuge sind leider dezimiert worden: Eines ist als Taxi unterwegs und eines ist zum Verkauf reserviert. Somit bleibt nur ein Fahrzeug übrig und dies ist eigentlich ständig unterwegs." Da kann man nichts machen. Also muss ich auf den BYD e6 wohl warten, bis in Deutschland ein paar mehr Exemplare verfügbar sind. Die Antwort von Tesla steht noch aus.

                  19. Juli 2017: Endlich ein freier Platz am Hüfferstift                       

Dritter Verhandlungstag im Totschlags-Prozess am Landgericht Münster. Ich versuche erneut mein Glück an der nahe gelegenen Stromtankstelle der Stadtwerke am Hüfferstift. Und endlich ist einer der beiden Ladeplätze frei. Nach anderthalb Stunden, in einer Verhandlungspause, parke ich das Auto um, damit auch andere Kunden dort Strom tanken können. 

                                   

                                               Seltenes Glück: Endlich ist mal ein Platz vor der Säule                                                                                                   am Hüfferstift in Münster frei und ich kann mein Auto                                                                                                   dort anderthalb Stunden lang laden.         Foto: Münch

                      17. Juli 2017: Schnell ein bisschen nachgeladen                        

Einkauf im Toom-Baumarkt an der Hammer Straße in Münster. Da steht gleich neben der Einfahrt eine Ladesäule von innogy. Gute Idee. Denn im Baumarkt hält man sich bisweilen schon ein wenig länger auf. Ich habe diesmal eine halbe Stunde gebraucht und konnte in dieser Zeit Strom für 80 Kilometer laden. 

                   13. Juli 2017: Jetzt kommt Bewegung in die Sache                      

Jetzt scheint doch Bewegung in die Ausschilderung der Schnellladesäulen an den Autobahnen zu kommen. Gerade erreicht mich eine Pressemitteilung der Firma innogy, wonach sie den Betrieb von 103 dieser Ladesäulen von Tank & Rast übernimmt. Die Technik dazu kommt ohnehin von innogy. Das Unternehmen will diese Ladestationen auf den Autobahnen komplett mit regenerativ erzeugtem Strom betreiben. Eine Nachfrage bei innogy ergab, dass man sich selbstverständlich auch um Hinweisschilder auf die Ladesäulen kümmern werde. Das liege schließlich im eigenen Geschäftsinteresse. Der Strom aus den von innogy betriebenen Säulen muss dann allerdings bezahlt werden. Bisher war das Laden bei Tank & Rast kostenlos. 

                      12. Juli 2017: Das Beste leider schwer zu finden                       

Bis Ende 2017 wird die Tank & Rast GmbH alle ihre 430 Autobahnraststätten mit Schnellladestationen ausrüsten. Das geschieht im Auftrag und mit Fördergeldern des Bundesverkehrsministeriums. Und es ist auf einem guten Weg, wie ich in diesem Jahr wiederholt festgestellt habe. Überall funktionieren die Ladesäulen einwandfrei. Und das Beste daran: Den Ladestrom an den deutschen Autobahnen gibt es kostenlos. Heute nehme ich die Raststätten Rhynern Nord und Süd bei Hamm unter die Lupe. Auf beiden Seiten der A2 hat innogy im Auftrag von Tank & Rast die typischen Schnelladestationen installiert. Auch sie laufen problemlos, wie ich festelle. Leider gibt es aber einen Mangel, der sich an fast allen anderen Rastplätzen wiederholt: Die Säulen stehen oft etwas versteckt auf den Parkplätzen. Am Rastplatz Rhynern Nord fahre ich glatt dran vorbeit, weil die Station von einem Bulli auf dem benachbarten Parkplatz verdeckt wird. Am Ende des Rastplatzes steige ich aus und mache mich zu Fuß auf die Suche. Hinzu kommet, dass es keinerlei Hinweise auf die Ladestationen gibt. Weder auf den Schildern, die an der Autobahn auf die nächste Raststätte hinweisen noch auf dem Rastplatz selbst. Das habe ich schon mehrfach bei Tank & Rast moniert. Dort schiebt man es auf die Behörden, die für die Beschilderung zuständig seien. Aber offenbar wird niemand aktiv, um das Versteckspiel zu beenden.

     

   Die kostenlosen  Schnellladestationen  an den Autobahnen  sind leider nicht überall so gut zu finden wie auf          dem  linken  Bild. An  der  Raststätte  Rhynern Nord gibt es Hinweise auf alles, vom Autogas bis zur Kapelle.          Nur nicht auf die Ladesäule. Diese Informationen fehlen fast überall.                                           Fotos: Münch

                           11. Juli 2017: Ökologische Vorzeige-Familie                         

Heute war ich bei einer Familie in Lüdinghausen, die ausgesprochen umweltfreundlich mit Energie umgeht. Und zwar bei der Produktion wie bei der Nutzung. Sie hat eine große Photovoltaik-Anlage auf dem Dach ihres Hauses und ein Elektroauto in der Garage. Für sie sind das zwei Seiten der gleichen Medaille. Aus dem Besuch ist ein umfangreicher Artikel mit mehreren Fotos für den E-Blog des Autohauses Rüschkamp geworden.

                               8. Juli 2017: Vollbeladen unterwegs                                

Zum ersten Mal geht es heute mit einer fast voll gepackten Zoe auf eine längere Tour. Mit drei Erwachsenen, Gepäck und Geschenken im Auto besuchen wir Freunde in Bergisch-Gladbach. Auch heute ist es warm. Die Klimaanlage läuft permanent. Nach der zunächst noch flachen Strecke im Münsterland geht es munter hoch und runter durch das Bergische Land. Das wirkt sich auf den Verbrauch des Autos nicht negativ aus. Denn von dem vielen Strom, den wir bei der Fahrt nach oben verbrauchen, holt sich das Auto durch die Energierückgewinnung beim Bremsen und Abwärtsfahren einiges wieder zurück. Bis zum Ziel sind es 128 Kilometer. Dort holen wir noch jemanden am Bahnhof in Leverkusen ab. Damit kommen 16 Kilometer hinzu. Als wir das Ladekabel in der Garage unserer Freunde in die Schukosteckdose stecken, zeigt das Display im Auto einen Füllstand von exakt 50 Prozent an. Wir wären am nächsten Tag also auch ohne Laden locker wieder nach Hause gekommen. So tanke ich nun in der Garage Strom im Wert von rund fünf Euro und hole dafür frische Brötchen zum Frühstück. Dermaßen gestärkt begeben wir uns mit vollem Magen und voller Batterie auf die Heimfahrt.   

                            6. Juli 2017: Das intelligente Ladekabel                              

Einkaufen in Hamm steht heute auf der Tagesordnung.  Dabei möchte ich auch einige öffentliche Stromstationen in der Umgebung testen. Zuerst geht es zum Möbelhaus Finke. Dort hat die Firma innogy (vormals RWE) zwei Ladesäulen installiert. Solche Säulen stehen auch bei mir zu Hause am Drensteinfurter Bahnhof und in den meisten anderen Städten in Nordrhein-Westfalen. Außerdem an vielen weiteren Orten in Deutschland und in angrenzenden Ländern. Außerdem arbeitet innogy mit über 100 deutschen Stadtwerken und weiteren europäischen Partnern zusammen. Gut daran ist nicht nur das größte einheitliche Netz mit einigen Tausend Stromtankstellen. Das Beste ist der kinderleichte Zuggang. Denn während überall sonst noch mit einer Vielzahl von Bezahlsystemen (Ladekarten, Apps, Handyabrechnungen, Chips, SMS-Freischaltung, Kreditkarten) hantiert werden muss, bietet innogy das intelligente Ladekabel. Man steckt den einen Stecker ins Auto, den anderen in die Station. Schon startet der Ladevorgang. Die Abrechnung erledigt der Rechner im Kabel automatisch über die hinterlegten Vertrags- und Kontodaten des Nutzers. Das klappt, wie ich heute wieder festelle, reibungslos. Wer das Kabel nicht hat, kann die Ladesäulen mit seinem Smartphone frei schalten. 

        

 Strom tanken mit  dem  intelligenten  Ladekabel  von Innogy am  Drensteinfurter  Bahnhof (Bild links). Genau       so funktioniert es auch auf dem Parkplatz am Möbelhaus Finke (rechtes Bild).                               Fotos: Münch   

                   5. Juli 2017: Blockierte Stromtankstellen in Münster                     

Heute berichte ich über einen Totschlagsprozess am Landgericht Münster. Da ich dort am häufigsten arbeite, habe ich in den vergangenen Wochen eine nahe gelegene Ladestation der Stadtwerke inspiziert, die auf meinem Weg zum Gerichtsgebäude liegt. Sie ist fast immer von den gleichen Elektroautos blockiert. Rechts eine weiße Zoe der Firma "Stadtteilauto", die hier ihren Standort hat. Links steht regelmäßig und stundenlang ein Tazzari Zero. Beide brauchen eigentlich nicht ewig zum Laden und könnten nach einer Weile umgeparkt werden. Ich habe die Stadtwerke Münster als deren Kunde darüber informiert und um Abhilfe gebeten. Leider tut sich nichts. Auch heute stehen die beiden Autos wieder vor der Ladesäule am Hüfferstift. 

                               

                                        Dieser Tazzari Zero blockiert  regelmäßig  die Ladesäule am                                                                                        Hüfferstift  in  Münster.  Dabei  könnte  er nach  dem  Laden                                                                                         den Platz für andere Elektroautos frei machen.  Foto: Münch 

Da ich vorsichtshalber Zeit eingeplant habe, fahre ich zur etwas weiter entfernten Station der Stadtwerke am Ludgeriplatz. Doch dort steht ein großer BMW-Hybrid und blockiert die Ladesäule, an der zwei kleinere Autos nebeneinander laden könnten, komplett. Auch das habe ich schon öfter beobachtet. Den Ladeplatz am zentral gelegenen Kreisverkehr nutzen mächtige Plug-in-Hybride als kostenlosen Parkplatz. Sie ziehen ein bisschen Strom, fahren danach nur einen Bruchteil ihrer Strecken wirklich elektrisch und werfen rasch ihren dicken Verbrennungsmotor an. Meist frei sind dagegen die Ladestationen der münsterschen Stadtwerke in den Parkhäusern. Denn hier sind hohe Parkgebühren fällig. Es ist schon ein Kreuz mit den Stadtwerken Münster.     

                      30. Juni 2017: Alle Stromquellen funktionieren                         

Heute werden erstmal zu Hause alle Lademöglichkeiten getestet. Der Starkstromanschluss mit 11 kw funktioniert einwandfrei. Die Batterie ist nach gut drei Stunden wieder gefüllt. An einer öffentlichen Stromtankstelle mit 22 kw geht es doppelt so schnell. An einer Schnelladestation, die es an den meisten Autobahnraststätten schon gibt, würde es unter einer Stunde dauern. Aber das könnte nur die Q90-Zoe nutzen, mein R90-Modell leider nicht. Auch mit den Adaptern für die normalen Schukosteckdosen im Haus und in meiner 80 Meter entfernten Garage lässt sich das Auto problemlos laden. Mit leeren Akkus würde das dann die ganze Nacht dauern, was ja niemanden stört. Ich muss nur darauf achten, das am selben Stromkreis gleichzeitig keine anderen Stromfresser laufen, etwa ein Fön oder ein Rasenmäher. In diesem Fall würde die Sicherung rausfliegen.       

                        29. Juni 2017: Einmal Niederrhein und zurück                        

Im Bielefelder Gerichtsverfahren (gestriger Tagebucheintrag) stellt sich heraus, das die Bande einen Schwerpunkt am Niederrhein hatte, unter anderem in Rees und Goch. Da lässt sich eine Besichtigung der Tatorte an Banken und Supermärkten gut mit einer ersten längeren Fahrt im neuen Auto verbinden. Ich starte morgens Richtung Westen über die B58 via Haltern und Wesel zu meinen Zielen. Abends geht es über die B67 zurück. Dabei sind auch kleine Autobahnabschnitte und Fahrten im Stadtverkehr. Ab und zu geht es nur zähflüssig voran.

             

                 Der Tempomat hat in diesem  Moment 104 km/h gespeichert (oben Mitte). Links wird die                                        Restreichweite angezeigt.                                                                                     Foto: Münch

Die meiste Zeit fahre ich mit dem Tempomaten. Wenn es geht, lasse ich den Fuß von Bremse und Strompedal. Den Abstand zu den Fahrzeugen vor mir regle ich mit dem Tempomatenschalter am Lenkrad. Am Ende der Tour habe ich eine Strecke von 281 Kilometern zurückgelegt. Die Restreichweite beträgt 43 km. Also sind die 300 Kilometer bei vernünftiger Fahrweise durchaus realistisch. Dabei war es ein heißer Tag, die Klimaanlage lief permanent auf Hochtouren. Im Winter würde statt der Kühlung die Heizung Energie verbrauchen. Wie viel das ausmacht, kann ich erst in einigen Monaten klären. 

               27. Juni 2017: Neues Nummernschild nach nur einem Tag                

Eigentlich wollte ich heute mit dem Elektroauto gleich eine längere Tour in Angriff nehmen: zum Landgericht in Bielefeld, wo ich über einen Bandenprozess für den Westfälischen Anzeiger berichte. Doch schon früh werden Staus von der Autobahn gemeldet. Also nehme ich lieber die Bahn. Im Zug kann ich außerdem arbeiten und schaffe es dann am späten Nachmittag vielleicht noch mit der Zoe zum Straßenverkehrsamt nach Beckum. Es klappt tatsächlich. Kurz vor Dienstschluss bin ich an der Zulassungsstelle. Die Mitarbeiter sind entsprechend "begeistert", ziehen den brandneuen KFZ-Schein ein und stellen mir einen neuen aus, der sich nur um einen einzigen Buchstaben vom alten unterscheidet. Vorher muss ich noch in die Prägestelle. Die Dame druckt mir zwei neue Nummernschilder mit dem "E" am Ende. Sie macht das nicht zum ersten Mal. Aber oft wurden solche Schilder bei ihr noch nicht verlangt.

              

                             26. Juni 2017: Das E-Kennzeichen fehlt                             

Endlich ist die Zoe da. Morgens fahre ich zum Händler, um sie abzuholen. Der Verkäufer gibt mir eine gründliche Einweisung. Alles ist in Ordnung. Nur eine Kleinigkeit fehlt: das große "E" hinten am Nummernschild. Das hat jemand im Autohaus bei der Zulassung glatt vergessen, obwohl ich es bestellt hatte. Der Verkäufer bietet an, das Auto am nächsten Tag persönlich zum Straßenverkehrsamt zu bringen und die Papiere umschreiben zu lassen. Alternativ könnte ich das auch selbst machen. Sein Haus würde mir dann alle Kosten dafür ersetzen. Ich entscheide mich für die zweite Variante. 

Das E-Kennzeichen ist mir wichtig, weil ich damit in einer Reihe deutscher Städte einige Vorteile genießen kann. Zum Beispiel die Benutzung von Busspuren oder kostenlose Parkplätze. Das Elektromobiltätsförderungsgesetz sieht ausdrücklich vor, dass Kommunen solche Angebote für E-Autos machen können. Leider zieht sich die Stadt Münster, in der ich privat und beruflich am häufigsten unterwegs bin, davon überhaupt nichts an. Sie ignoriert das Gesetz komplett. Obwohl die Stadt seit Jahren von den Grünen "mitregiert" wird und sie in ihren Mauern mit dem Batterieforschungszentrum der Universität eine der renommiertesten wissenschaftlichen Einrichtungen auf diesem Gebiet beherbergt.  

                           20. Juni 2017: Jetzt auch mit Schnellladung                        

Mitten in die Wartezeit auf mein Elektroauto platzt die Nachricht von Renault: Die Zoe gibt es jetzt auch in Deutschland mit der Schnellladung. Also genau das Auto, das ich von Anfang an immer haben wollte. Sofort frage ich beim Kundenservice des Konzerns und beim Händler nach, ob ich den Kaufvertrag umschreiben kann. Beim Kundenservice beiße ich auf Granit. Keinerlei Entgegenkommen. Anders ist die Reaktion im Autohaus. Der Verkäufer stellt Kulanz beim Preis in Aussicht, sollte ich den Wagen  in einem halben Jahr umtauschen wollen. Wegen der staatlichen Förderung muss man das Elektroauto mindestens sechs Monate behalten.

                             7. Juni 2017: Erstmal einen Leihwagen                             

Die Auslieferung der Zoe verzögert sich von Woche zu Woche. Allmählich wird es schwierig für mich, weil ich nicht alle beruflichen Termine ohne Weiteres mit öffentlichen Verkehrsmitteln wahrnehmen kann. Dem Verkäufer im Autohaus ist es peinlich. Er stellt mir nun kostenlos einen Leihwagen zur Verfügung. Der fährt sich gut und ist geräumig. Aber es ist ein Diesel. Ausgerechnet. Da muss ich jetzt durch. Ist ja nur für ein paar Tage...

                           4. Mai 2017: Zu Hause kann geladen werden                       

Mein altes Auto habe ich verkauft, der neue ist noch nicht da. Aber zu Hause ist alles vorbereitet, um die Zoe laden zu können. Statt einer fest installierten Wallbox habe ich mich für ein mobiles Steuergerät samt Adapterkabeln für Starkstrom, Campingstrom oder eine normale Haushaltssteckdose entschieden. Damit stehen mir unterwegs alle Lademöglichkeiten offen, falls mal keine öffentliche Stromtankstelle in der Nähe ist. Ein Elektriker hat mir eine Drei-Phasen-Wechselstrom-Dose am Haus montiert. Am Sicherungskasten im Keller ist jede Phase einzeln abgesichert. Diesen auch Drehstrom genannten Starkstromanschluss gibt es bei vielen Firmen und auf fast allen Baustellen, etwa für Kreissägen. Das mobile Steuergerät samt Adaptern hat 500 Euro gekostet, die Installation der Drehstromdose noch einmal 200 Euro.   

                             

                                       Das mobile Steuergerät samt Adapterkabeln  fürs Laden zu                                                                                          Hause und unterwegs.                                         Foto: Münch

                                  13. Februar 2017: Auto bestellt                                   

Heute bestelle ich den Renault Zoe beim nächst gelegenen Renault-Autohaus in Münster-Amelsbüren. Der Verkäufer ist in Sachen Elektromobilität sehr kompetent. Zu einem wichtigen Anliegen weiß aber auch er keinen Rat. Denn eigentlich möchte ich die Zoe mit der großen Batterie und der Schnellladefunktion kaufen. Dieses Q90-Modell ist in allen EU-Staaten erhältlich. Nur in Deutschland nicht. Auf etliche Nachfragen beim Konzern und seiner Pressestelle bekam ich immer die lapidare Antwort, das sei eben so. Also begnüge ich mich mit dem Modell R90. Das hat immerhin eine Akku-Kapazität wie kein anderes Auto außer den Teslas. Anfang bis Mitte Mai soll der Wagen geliefert werden.

  Hier beginnt das Tagebuch. Nach oben werden die Einträge immer aktueller.   

 

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